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Die Wiederbelebung des Schützenwesens erfolgte in Boke 1921. Nach fast hundertjähriger Unterbrechung begleiteten die Schützen wieder Prozessionen und bemühten sich um eine Eintragung als kirchlicher Verein. Offensichtlich
hatten die entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahre des Ersten Weltkrieges einen Nachholbedarf am Feiern ausgelöst. Das Fest im ”Aufschwungjahr 1921” sollte in Boke ein prägendes Ereignis werden. Die Möglichkeit dazu bot
ein historischer Festzug, der alles bis dahin Erlebte in den Schatten stellte. Ein siebenhundertjähriges Jubiläum gab dem Fest Ausmaße, die es sonst niemals gehabt hätte. Mit der historischen Begründbarkeit des Jahres 1921 als
siebenhundertjähriges Jubiläum muß man also ”recht großzügig” umgehen. Allerdings hat sich in Boke die damals gewonnene Erkenntnis durchgesetzt, daß Jubiläumsfeste grundsätzlich schöner, interessanter und besser besucht sind als
normale Schützenfeste.
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Königspaar Joseph Bureik und Anna Schulte mit Hofstaat im Jubiläumsjahr 1921 |
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Das Königspaar Joseph Bureik und Anna Schulte residierte damals jedenfalls auf einem für lange Zeit einmaligen Fest.
Am historischen Festzug von 1921 nahmen folgende Gruppen und Wagen teil:
1. Eine Gruppe alter Germanen, unsere Vorfahren aus dem Stamme der Brukterer zu Pferde.
2. Karl der Große in Begleitung zweier Sachsenedlen. 3. Eine Gruppe Bogenschützen zu Fuß aus dem 13. Jahrhundert. 4. Der Boker Gaurichter und Inhaber anderer hoher Ämter, Philipp von Hörde.
5. Der Raubritter Friedrich von Padberg kehrt mit seinen Knappen von einem Raubzug heim. 6. Die Schützen verteidigen im 30 jährigen Kriege heldenmütig die Boker Burg im Jahre 1646.
7. Der in Boke wohnende Werbeoffizier Schwan. 8. Eine Gruppe Schützen mit der alten Fahne im Jahr 1800. 9. Der alte Blücher kommt als Anführer seiner Truppen im Jahre 1814 über Boke.
10. König Friedrich Wilhelm IV. als Kronprinz auf dem Weg zum Besuche des Pfarrer Kunders in Boke im Jahre 1825. 11. Eine Gruppe Schützen von 1840. 12. Der letzte Boker Amtmann, Graf Meerveldt.
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Gruppe 6 des historischen Festzuges 1921 auf Ringboke |
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Über den Erfolg und die Begleitumstände dieses Festes schrieb zweiundsechzig Jahre später Stephan Klute aus Wewer, der als elfjähriger an den Feiern teilgenommen hatte, einen aufschlußreichen Brief:
”Der Schützenverein Wewer stellte 50 Schützen und eine Musikkapelle. Mit zwei geschmückten, pferdebespannten Leiterwagen fuhren wir nach Boke zur Siebenhundertjahrfeier. Der Ausspann fand beim Mühlenbuer kurz vor der
Wirtschaft Gröpper statt. Dann nahmen die Schützen aus Wewer, wie auch andere Vereine am historischen Umzug mit Herolden an der Spitze durch Boke teil. Dies war ein ganz erstaunlich aufgemachter Zug, weil nach
dem verlorenen Krieg nach 1918 erst alles langsam aufwärts ging. Für die damalige Zeit war es eine große Feier, die bis in den Spätabend anhielt. Schwierig war es, abends
zur Abfahrt beim Mühlenbuer die Wewerschen Schützen zusammenzubekommen. Einige gingen weg, um die Fehlenden zu holen. Diese kamen jedoch auch nicht wieder, da sie beim Wirt Gröpper noch einmal tief
ins Glas guckten. Schließlich waren wir endlich vollzählig. Am vorderen Teil des Wagens wurden zwei Sturmlaternen angehängt. Hinten befanden sich keine Laternen, da man damals mit überholenden
Fahrzeugen nicht rechnen brauchte. Mit eisenbereiften Rädern war es eine lustige, holprige Fahrt in dunkler Nacht über Thüle nach Wewer. Unsere Schützen hatten in Boke ihren Durst gut gelöscht.”
Nach dem Erfolgsjahr 1921 blieben die Schützen und ihr Fest in Boke eine feste Größe im Dorfleben. Einschneidende Veränderungen in der Organisation des Vereins fanden erst 1937 statt. Zunächst hatte sich
der Gleichschaltungsdruck des Dritten Reiches auf die im Deutschen Schützenbund organisierten Vereine konzentriert, weil diese vorwiegend Schießsport betrieben und damit der von den Nationalsozialisten
angestrebten Wehrertüchtigung zugute kamen. Kirchlich ausgerichtete Vereine wie in Boke, bei denen sich das Schießen auf das Vogelschießen beschränkte und damit nur Randerscheinung war, bekamen den
nationalsozialistischen Druck relativ spät zu spüren. Zwar hatten die Nazis den Dachverband der kirchlichen Bruderschaften vom hl. Sebastianus 1936 aufgelöst, aber die Vereine vor Ort bekamen noch
eine kleine Schonfrist. In Boke führte das dazu, daß man sich 1937 dem Heimatbund als Dachverband unterstellte und die Schützenbruderschaft in Heimatschutzverein umbenannte.
Große Aktivitäten haben sich danach nicht mehr entwickelt. Am 20.3.1938 endet das Protokollbuch. Das Vereinsleben kam zum Erliegen.
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