01.12.2021
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Historie - Die Boker Geschichte

Die Vor- und Frühgeschichte

Stoßzahn eines jungen Mammuts
Stoßzahn eines jungen Mammuts, Foto: Bernhard Kößmeier

Funde, die auf eine Besiedlung des Lippegebietes durch den Menschen in altsteinzeitlicher Zeit schließen lassen, liegen uns nicht vor.

Die zahlreichen Baggerseen in und um Boke fördern aus tiefen Erdschichten allerdings zahlreiche prähhistorische Tierfunde zutage.
Damit lässt sich belegen, dass bis zum Ende der letzten Eiszeit, also bis vor etwa 11000 Jahren, am Rande des Urstromtals der Lippe Mammuts und viele andere eiszeitliche Tiere lebten.

Für die Jungsteinzeit ist menschliches Leben im Lippetal gut nachzuweisen.
“In diese Zeit fällt wohl auch die gestielte Pfeilspitze mit scharfer Schneide, die in der Bauerschaft Barbruch bei Boke als Einzelfund entdeckt wurde ... Außerdem ... seien erwähnt:
Eine durchlochte Streitaxt, gefunden im Jahre 1940 auf dem Acker des Bauern Martin Beine zu Boke ...”
(Tönsmeyer, S. 20)

Jungsteinzeitliches Beil
Jungsteinzeitliches Beil, Foto: Bernhard Kößmeier
Bronzezeitliche Urne
Bronzezeitliche Urne zwischen 1100-700 v.Chr.

Beim Bau der Lehrerwohnung und der neuen Schule 1955 und dem Erweiterungsbau 1966 fand man zwei bronzezeitliche Urnen mit Beigefäß.


Benutzte Quellen: Josef Tönsmeyer: Das Lippeamt Boke, Hrsg.: Amtsverwaltung Salzkotten-Boke, Rheine 1968.
Bernhard Kößmeier: Festschrift zum 35. Kreisschützenfest im Altkreis Büren 5. bis 7. September 1992 in Boke,
Hrsg.: St. Landolinus-Schützenbruderschaft, Delbrück 1992


Nähere Informationen zur Boker Geschichte erhalten Sie von Ortsheimatpfleger Bernhard Kößmeier.
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Die Hünenburg

Luftaufnahme der Hünenburg
Luftaufnahme der Hünenburg, Foto: Alois Teipel 1998

Ein sehr alter, noch sichtbarer Standort eines Bauwerks in Boke ist die sogenannte Hünenburg südlich der Lippe im Barbruch.
L. Hölzermann fand bei Grabungen 1867 noch ein Kernwerk von 65 m x 90 m vor.
Die westliche Torseite war durch eine Warte und einen Zusatzgraben gesichert.
Nach heutigem Wissensstand handelt es sich um eine frühmittelalterliche Burg aus der sächsisch-fränkischen Zeit.
Der Grundriß der Burg und ihre Lage im damals sumpfigen Überschwemmungsgebiet der Lippe lassen ihre Funktion als frühmittelalterliche Fliehburg erkennen.

 

Benutzte Quellen: Josef Tönsmeyer: Das Lippeamt Boke, Hrsg.: Amtsverwaltung Salzkotten-Boke, Rheine 1968.
Bernhard Kößmeier: Festschrift zum 35. Kreisschützenfest im Altkreis Büren 5. bis 7. September 1992 in Boke,
Hrsg.: St. Landolinus-Schützenbruderschaft, Delbrück 1992


Nähere Informationen zur Boker Geschichte erhalten Sie von Ortsheimatpfleger Bernhard Kößmeier.
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Das Benediktinerkloster

Die Gründung eines Benediktinerklosters in Boke durch Erpo Graf von Padberg und seine Frau Beatrix von Itter im Jahre 1101 ist urkundlich belegt.
Durch Erbfolge aus der Familie von Itter waren die Stifter zu umfangreichem Besitz in Boke gekommen.
Der Paderborner Bischof Heinrich Graf von Werl, mit dem Erpo Graf von Padberg weitläufig verwandt war, unterstützte die Klostergründung sehr, doch die Planungen und die Bauzeit sollten nur bis 1104 dauern.
Das Stifterehepaar war kinderlos geblieben. Nach dem Tod der Beatrix von Itter legten ihre Erben Einspruch ein, denn sie wollten den Nachlass nicht an das neue Kloster verlieren.
Der Konflikt wurde gelöst, indem man das Kloster in Boke aufgab und es nach Flechtdorf verlegte.
Die Mönche hatten in vier Jahren in Boke schon so viel Einfluß gewonnen, dass sie den größten Teil der Landolinusreliquien nach Flechtdorf mitnahmen, nur eine Armreliquie verblieb in Boke.

Für die Boker Geschichte ist die Gründungsurkunde des Klosters besonders interessant, denn in ihr erfolgt
die Erstnennung des Ortes:

Kloster Flechtdorf
Klosterkirche der ehemaligen Benediktinerabtei in Flechtdorf:
Heute setzt sich der "Förderverein Kloster Flechtdorf" für den Erhalt der Abtei aus dem 12. Jahrhundert ein.
“Erpo, Graf von Padberg. Wir wünschen allen Gläubigen kundzutun, daß wir zu Ehren unseres Herrn Jesu Christi und der Gottesmutter Maria über den ehrwürdigen Gebeinen des hl. Bekenners Landolinus, welche der Paderborner Bischof Badurad seligen Angedenkens aus der Diözese Cambrai hat überführen und unversehrt an den Ort Boke hat bringen lassen, eine neue Niederlassung des hl. Benedikt an der Lippe errichtet haben.
Die Vollendung dieses von mir mit tatkräftiger Hilfe des Bischofs Heinrich von Paderborn begonnenen Werkes haben dann die Grafen von Nytehe durch ihre schreckenerregenden Drohungen verhindert, weil sie beteuerten, daß sie nach dem Tode unserer Gemahlin Beatrix die rechten Erben jener Besitzungen seien.
Deshalb haben wir auf den Rat des genannten Bischofs den Abt und seine Brüder, die bei ihm waren, auf unser Gut namens Flechtdorf herübergeholt, wo wir dann unser Werk zu errichten begannen...”


Die Urkunde beschreibt nicht nur die Ereignisse der Klostergründung und seine Aufgabe, sondern weist zeitlich zurück, sie ermöglicht eine Datierung der Landolinustranslation nach Boke in die Zeit des Paderborner Bischofs Badurad (815-862).
Aus ihr geht auch das Engagement des Bischofs Heinrich Graf von Werl bei der Klostergründung hervor.

 


Benutzte Quellen: Josef Tönsmeyer: Das Lippeamt Boke, Hrsg.: Amtsverwaltung Salzkotten-Boke, Rheine 1968.
Bernhard Kößmeier: Festschrift zum 35. Kreisschützenfest im Altkreis Büren 5. bis 7. September 1992 in Boke,
Hrsg.: St. Landolinus-Schützenbruderschaft, Delbrück 1992


Nähere Informationen zur Boker Geschichte erhalten Sie von Ortsheimatpfleger Bernhard Kößmeier.
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Boke unter Napoleon

“In napoleonischer Zeit ab 1807 hatte das alte Amt Boke den Status eines Cantons mit dem Namen "Municipalte de Ringboke". Gern nahmen die Boker Bauern die Vorteile der Französischen Revolution an, denn ihre persönliche Unfreiheit endete mit der Einführung des französischen Rechts.
In der Boker Pfarrkirche hat man daher 1812 verständlicherweise für den Sieg Napoleons vor Moskau gebetet. Der Cantonsbeamte Wiekenberg verband dagegen das gleiche Ereignis, die Niederlage Napoleons vor Moskau, mit der Hoffnung zur Befreiung von dem eisernen französischen Joch.
Letztendlich führten die teure Hofhaltung von Napoleons Bruder Jerome in Kassel und die Lasten der Befreiungskriege zur völligen Verarmung der Bevölkerung im Canton Boke.”
(Kößmeier, S.21-22)

Die ständig steigenden Abgaben, mit denen Napoleon seine vielen Kriegszüge finanzierte, hatten zu einem Stimmungsumschwung geführt. Die Boker Chronik berichtet, dass von den jungen Männern aus Boke, die im französischen Heer gegen Russland zogen, keiner wieder zurück kam.
Zu leiden hatte der Ort auch unter den Soldaten, die auf dem Rückzug waren.
Im Oktober 1813 floh ein 6000 Mann starkes Corps aus Westfalens Hauptstadt Kassel über Boke und konnte nur mit großer Mühe versorgt werden.
Siebzig russische Kosaken zu Pferde griffen die Franzosen in Mantinghausen an, töteten einige, ohne selbst einen Mann zu verlieren und machten einige Gefangene.
Einige Tage später trafen 2800 russische Infanteristen in Boke ein und stellten die Bevölkerung erneut vor fast unlösbare Versorgungsprobleme.
(Vgl.: Boker Chronik, Band 1, Hrsg.: Heimatverein Boke, Boke 1999, S. 15-17)


Benutzte Quellen: Josef Tönsmeyer: Das Lippeamt Boke, Hrsg.: Amtsverwaltung Salzkotten-Boke, Rheine 1968.
Bernhard Kößmeier: Festschrift zum 35. Kreisschützenfest im Altkreis Büren 5. bis 7. September 1992 in Boke,
Hrsg.: St. Landolinus-Schützenbruderschaft, Delbrück 1992


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Das Amt Boke

Klemens Graf von Meerfeld
Klemens Graf von Meerfeld, der letzte Amtmann des Lippeamtes Boke, ab 1859 Leiter des Doppelamtes Boke-Salzkotten
Foto: in Tönsmeyer, S. 173.

“Das Amt Boke umfaßte die Orte und Bauerschaften Dedinghausen, Hörste, Öchtringhausen, Mettinghausen, Rebbeke, Mantinghausen, Garfeln, Verlar, Holsen, Schwelle, Winkhausen, Thüle, Scharmede, Heitwinkel, Ringboke, Untereichen, Kirchboke, Anreppen, Leste, Bentfeld und Heddinghausen.
1857 kam es zur Zusammenlegung der Ämter Salzkotten und Boke und damit zur Bezeichnung Amt Boke-Salzkotten.
Es waren weiterhin zwei getrennte Ämter, jedoch in einem gemeinsamen Verwaltungsgebäude in Salzkotten.
Nebeneinander fungierten zwei Amtmänner, es gab zwei Amtssiegel. Später verwaltete ein Amtmann beide Ämter in Personalunion.
Eine formelle Vereinigung beider Ämter hat es nie gegeben, aber dennoch wuchs das Doppelamt im Ablauf der täglichen Verwaltungsarbeit schrittweise zusammmen, ein Prozeß, der etwa um 1920 abgeschlossen war.
In der Zeit des Dritten Reiches erfolgte die Umbenennung in Amt Salzkotten-Boke.
Die Zusammenlegung der Ämter Salzkotten und Boke ist nicht der Grund dafür, daß Boke bedeutungsloser wurde, sondern eine Folge der vorangegangenen Entwicklung: Während der Industrialisierung geriet Boke verkehrstechnisch ins Abseits.” (Kößmeier, S. 22-23)


Benutzte Quellen: Josef Tönsmeyer: Das Lippeamt Boke, Hrsg.: Amtsverwaltung Salzkotten-Boke, Rheine 1968.
Bernhard Kößmeier: Festschrift zum 35. Kreisschützenfest im Altkreis Büren 5. bis 7. September 1992 in Boke,
Hrsg.: St. Landolinus-Schützenbruderschaft, Delbrück 1992


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