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28.01.2026
Lippedorf Boke

Chronikauszug des Jahres 1926

Die folgenden Blätter stellen einen Auszug aus der Boker Chronik (Chronik Boke II) des Jahres 1926 dar.

Bei der Übertragung der Originalschriften in die heutige Druckschrift wurde die Struktur der Chronik möglichst beibehalten.
Eine Seite des handschriftlichen Originals entspricht somit auch einer Seite in der Übertragung.
Auch die Interpunktion und die Orthographie des Originals wurde ohne Korrektur übernommen.
Was so alles in dem Jahr 1926 passierte, können Sie in dem folgenden Chronikauszug nachlesen.

Das Jahr beginn gleich mit einer großen Überschwemmung; zwei weitere Überschwemmungen folgten im Laufe des Jahres.
Hervorzuheben ist das Vorgelschießen der Schützen; dieses wurde wiederholt. Weiterhin gab es zwei Lippedurchstiche hinter der Pastorat,
Von dem Delbrücker Kirchenmaler Biermann wurde die Kirche innen ausgemalt. Die Arbeiten wurden kurz vor Weihnachten beendet.
Der Maler Anton Waller fertigte 6 Gemälde an; welche im Mittelschiff aufgehängt wurden.

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1926.

            Infolge des starken Regens an den letzten Tagen
des alten Jahres brachte uns das neue Jahr gleich eine
große Überschwemmung. Da mehrere Tage ein starker
Wind herrschte, spülte das Wasser infolge des hohen Wellen=
ganges ungemein und richtete großen Schaden an.
Um den Geschädigten eine Steuerermäßigung zu erwirken
wurde der Vorsitzende des Finanzamtes Paderborn, Herr
Oberregierungsrat Heider vom Vorsitzenden des landw. Bezirks=
verein Boke, Herrn Vorsteher Tölle hierselbst eingeladen,
um sich persönlich von der Verwüstung der Felder und Wege
überzeugen zu können. Daraufhin besichtigte Herr Heider
im Beisein des Herrn Amtmann Darup am 5 Jan.
das überschwemmte Lippegebiet. Nach dem Hochwasser trat
sehr starker Frost ein und 1 Fuß tiefer Schnee. Am 20ten
d. M. wurde die hiesige Gemeindejagt, zum ersten Male
in 3 Bezirken verpachtet. Für Bezirk I (nördlich der Lippe
                                                                                                                        mit 330- M
östlicher Teil) war Höchstbietender Herr Heinr. Ridder Boke, | für
Bezirk II (nördlich der Lippe westlicher Teil) war Höchsbietender
wiederum Herr Heinr. Ridder Boke mit 840,- M und für den Bezirk
III (Heitwinkel) war Höchstbietender Herr Beihsler Manting=
            mit 530,- M
hausen. | Während Bezirk III Heitwinkel den Zuschlag erhielte, wurde
der Bezirk I später nochmal ausgesetzt und der Bezirk II an
den zweiten Höchsbietenden Herrn Beihsler Mantinghausen verpachtet.

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Anfangs Februar hielt der Winter an, aber um die Mitte
des Monats regnete es wieder so stark, sodaß die Lippe
wiederum austrat. Hierauf trat eine ungemeine milde
Witterung ein, welche bis Ende des Monats anhielt.
Am 1 März wurde der Jagdbezirk I wiederum zur Verpach=
tung ausgesetzt. Den Zuschlag erhielt der Höchstbietende
Herr Ant. Sagemüller aus Delbrück mit 530,- M. Das Wetter
blieb fast den ganzen Monat milde und regnerisch, und am
Schluße desselben wurde es trocken, sodaß die Landwirte mit
den Feldarbeiten beginnen konnten.
          Den 9 April brannte das Wohnhaus des Landwirt
Anton Henkemeier zu Untereichen bis auf den Grund nieder.
Die Witterung war fast den ganzen Monat schön und trocken,
daher nahmen die Feld= und Bestellungsarbeiten einen guten
Fortgang. Während des ganzen Monats Mai war es sehr
naß und kalt, wodurch das aufgehen der Sommerfrüchte,
namentlich der Kartoffeln sehr verzögert wurde. Am 26 Mai
feierten die Eheleute Heinr. Kroos und Elisabeth geb.
Kalle Untereichen in seltener Rüstigkeit ihre goldene
Hochzeit. Der Juni brachte mehrere Gewitter. Im übrigen
hielt das naßkalte Wetter bis auf einige Tage am Schlusse
des Monats an. Am 17 schlug der Blitz an der sog.

                                                                            Peitz



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                            in
Peitz Ecke schlug | die elektr. Leitung. Da die Komu=
nisten und Sozialdemokraten ein Volksbegehren zwecks
entschädigungslose Enteignung der Fürsten in die Wege
geleitet hatten, fand am 30 Juni im ganzen deutschen
Reiche eine Volksabstimmung statt. Es stimmten knapp
16 Milionen Wähler mit Ja. Weil jedoch die Hälfte der
Wählerstimmen = 20 Millionen erforderlich waren, wurde ein
diesbezügliches Gesetz vereitelt. In Boke stimmten von
599 Wählern 164 mit Ja und 8 mit Nein, die Übrigen enthielten
sich der Stimme. Ende d. M. wurde mit der Heuhernte,
welche in diesem Jahre, namentlich auf den höher gelegenen
Lippewiesen recht ergiebig war, begonnen. Dem Landwirt
und Veteran von 1864, 66, 70 u. 71 Herrn Bernhard Wolke
Untereichen war es am 13 Juni vergönnt, seinen 90sten
Geburtstag in verhältnißmäßig seltener Frische zu feiern.
Am 29 d. M. schossen die Schützen zum ersten Male auf dem
neuen Festplatze um die Königswürde. Die Königswürde
errang Herr Joh. Berkemeier Unterneichen. Die Witterung
war im Juli Anfangs sehr regnerisch, besserte sich aber später
einigermaßen, sodaß die Heuhernte, welche in diesem
Jahre recht gut war, ziemlich unverdorben einkam.
Am 1 August fand Umstände halber, noch einmal das schießen

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um die Königswürde statt. Hierbei errang Herr Jos. Schmidt Untern-
Eichen die Königswürde und erkor Fräulein Maria Wilper daselbst zur
Schützenkönigin. Das Schützenfest fand am 8 u. 9. Aug. bei guten
Wetter und ungeheuren Andrang aus nah und fern statt.
Am 17. d. M. spendete der hochw. Herr Bischof von Paderborn
in unserer Pfarrkirche das hl. Sakrament der Firmung.
Das Wetter war war in diesem Monate teils gut teils
regnerisch. Die Roggenernte welche im Körnerertrage
namentlich auf den niedrigen Ländereien schlecht war, konnte
unverdorben eingefahren werden.
           Im September wurde durch den Kirchenmaler Biermann
aus Delbrück mit der Ausmalung unserer Kirche begonnen.
Das Wetter war auch wieder in diesem Monate vielfach
regnerisch; jedoch gelang es die Sommergetreide= u. Grummet=
ernten, welche recht gut waren, einigermaßen trocken
einzubringen. Anfangs Oktober regnete es wieder so
stark, sodaß die Lippe sehr stark austrat und wieder
großen Schaden verursachte. Die Kartoffelnernte ergab hier
nur die Hälfte an Ertrag wie im Vorjahre. Infolge dessen
stieg der Preis für gute Ware bis auf 4,50 M., ein Zeichen
daß die Ernte in ganz Deutschland schlecht ausgefallen war.
Das Wetter blieb während des ganzen Monats regnerisch.

                                                                                           Am

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Am 1 November trat deshalb wiederum die Lippe aus.
Aus diesem Grunde war die Hackfruchternte im Über=
schwemmungsgebiete sehr schwierig und konnte nur
mit großer Mühe und Verzögerung beendet werden.
Auch war es den Landwirten nicht möglich die Äcker
alle wieder mit Wintergetreide zu bestellen.
Während der Herbstmonate herrschte hier wie fast in ganz
Deutschland die Maul= u. Klauenseuche. Dieselbe trat dieses
Mal sehr stark auf und manches wertvolle Stück Rindvieh,
namentlich aber viele Schweine fielen der Seuche zum
Opfer. Der Preis für Getreide war in diesem Jahre recht hoch.
Die Martini Marktpreise stellten sich wie folgt:
Weizen 13,25 M per Zentn. Roggen 11,50 M per Zentn.
Futtergerste 10,00 M per Zentn. Hafer 9,25 M per Zentn.
Am 17 November ertrank ein Kind des Ackerwirts
Jos. Stork Untern-Eichen in der Jauchegrube. Das Wetter
war im ganzen Monate vielfach regnerisch. In den
Herbstmonaten wurden von dem Unternehmer Zacharias
aus Uppsprunge in der Näche der Pastorat 2 Lippedurchstiche
gemacht. Die Kosten trug zum größten Teile der
Staat und den Rest die Kirchengemeinde Boke.
Bei diesen Arbeiten wurde ein menschliches Skelett

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gefunden. Da leider hierbei keine Gegenstände, wie Waffen etce.
gefunden wurden, so verliefen die stattgefundenen Untersuchungen
von Sachverständigen, über das woher, ergebnislos.
Am 1 Dezember fand wieder die übliche Viehzählung statt.
Das Ergebnis war fast genau so, wie im vorigen Jahre.
Der hiesige Geflügelzuchtverein veranstaltete am 4 u. 5 Dezember
seine 2te Lokal-Geflügelausstellung. Hierbei wurden über
200 Tiere zur Schau gestellt. Das hochheilige Weihnachtsfest brachte
für alle Kirchenbesucher eine frohe Überraschung. Die Malerei
in der Kirche war soweit fertig gestellt, sodaß an den
Vortagen das Gerüst entfernt werden konnte. Alles war
überrascht über die prächtige Malerei, welche wunderschön
mit dem architektonischen Baustiele harmonierte.
Besonders war es gut gelungen, die großen und kleinen
Säulen wuchtig; und doch wohltuhend für das Auge hervor
zu heben. Auch der Hochaltar, welcher bisher noch ungemalt
war, strahlte im besten Farbenschmucke. Zu beiden Seiten
des Mittelschiffes oben an der Wand hatten 6 auf Leinwand
von dem Maler Waller aus Düsseldorf gemalte
Bilder ihren Platz gefunden. Die 3 rechts angebrachten
stellen Geschehnisse aus dem Leben des hl. Antonius
(Eremit), und die 3 links hängenden, stellen Einzelheiten

                                                                                        aus

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aus dem Leben des hl. Landelinus, unseres Kirchenpatrons
dar. Das Wetter war auch im Dezember vorwiegend
regnerisch, sonst aber milde. In diesem Jahre waren
in der Gemeinde Boke 25 Geburten, 8 Eheschließungen
und 6 Sterbefälle zu verzeichnen.
Der Gemeindehaushaltsplan betrug in Einnahme und Ausgabe 31.900
RM.
An Gemeindesteuern wurden erhoben 400 % von der Grundvermö=
gens und von der Gewerbesteuer.

           Der Inhalt der Chronik wurde
der Gemeindevertretung vorgelsen und zur
Unterschrift vorgelegt

Boke, den 15. Januar 2027

Der Vorsteher:           Die Gemeindevertretung:
Tölle                          Pahlsmeier
                                 Plahs
                                 Neiske
                                 Jürgensmeier
                                 Hennemeier
                                 Schulte

 

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